Beobachtet man einen Menschen mit 2° Skorpion im Horoskop, hat man unweigerlich den Eindruck, dass im Hintergrund eine jederzeit abrufbare Energie schwelt. Er gleicht einem Sprinter, der sich selbst zwingt, langsamer zu gehen, als er eigentlich möchte. Diese gespeicherte Kraft gleicht einer gespannten Feder, die jederzeit aktiviert werden kann oder plötzlich ausbricht. Daraus erwächst der typische Charakterzug der kraftvollen und zurückhaltenden Ruhe.

2° Skorpion bedeutet immer eine gewisse Kontrolle über die innere Macht und Kraft. Dieser Wesenszug ist für sie selbstverständlich und wird normalerweise nicht als Stärke gedeutet. Für andere Menschen entsteht jedoch oft der Eindruck einer großen Souveränität.

Ebenso kann man bei ihnen eine gewisse Introvertiertheit beobachten und nicht selten sind Menschen mit dieser Gradzahl schweigsam. Trotzdem hat man niemals den Eindruck, dass sie sich zurückziehen. Wachsam beobachten sie die jeweilige Situation; die in dieser Haltung innewohnende Ruhe hat nichts mit Trägheit zu tun. Sie selbst würden sich nur sehr selten als introvertiert betrachten.

2° Skorpion im Horoskop bedeutet für alle Menschen einen starken inneren Willen. Wenn sie sich für etwas entschlossen haben, streben sie dies direkt an. Hindernisse werden nicht einmal als solche gesehen. In diesen Fällen kommt die innere Macht und Kraft kontrolliert zum Einsatz. Im Einfluss der positiven Substanz ist es für diese Menschen nicht schwer, etwas Begonnenes abzuschließen.

Eine ganz besondere Eigenart aller Menschen mit 2° Skorpion zeigt sich in der Freiwerdung von Energie, wenn sie sich körperlich bewegen, wobei es keine Rolle spielt, wie sie sich bewegen. Diese Besonderheit ist das Zentrum des Charakters in Verbindung mit 2° Skorpion und muss eindringlich betrachtet werden.

Je nachdem, welchen Charakter dieser Mensch hat, hat dies die unterschiedlichsten Auswirkungen. Im positiven Sinn haben sie fast unerschöpflich Kraft für weitere Arbeiten. Dieses Durchhaltevermögen kann sich im Beruf, im Sport, in der Kunst wie überall anders auch zeigen. Ein Mensch mit einem guten Charakter erhält weitere Kraft für diese Eigenschaften. Im Auftreten in der Gesellschaft sind sie dann eher zurückgezogenen, da sie um die freiwerdende Energie ahnen oder manchmal sogar darum wissen.

Achtsam müssen diese Menschen dann sein, wenn schwierige Wesenszüge vorherrschen. Die Problematik zeigt sich hier nicht in der Steigerung der jeweiligen Eigenschaft, sie beginnt viel früher. Sie zeigt sich in der Vermeidung von Bewegung und Handlung. In diesen Fällen kommt es aus Angst zu einer inneren und äußeren Unbeweglichkeit. Durch diese Regungslosigkeit im Willen und im Handeln versuchen sie unbewusst, der automatisch sich entwickelnden Energie auszuweichen.

Da dieses Nichthandeln in einem Widerspruch zu der zu bewältigenden Aufgabe steht, kommt es zu einer wachsenden Konzentration auf Kleinigkeiten. Zu Beginn ist es noch möglich, diese Beschäftigung mit Genauigkeit zu rechtfertigen. Je länger sie jedoch andauert, desto unmöglicher wird diese Ausrede. Jeder kleinsten Handlung wird die Entschuldigung der Notwendigkeit nachgeschoben.

Ein gleichnishaftes Bild ist ein großes Paket, welches zahlreiche kleinere Pakete in sich verbirgt, diese wiederum mehrere Päckchen und so weiter. Daraus können große Bindungen entstehen. Tausend Dinge müssen erledigt werden, bevor es zu einem weiteren Fortschritt kommt.

Hier muss man ganz klar feststellen, dass es nicht um Faulheit oder Trägheit geht, die Bewegungsverminderung oder gar -vermeidung geschieht aus Angst vor der freiwerdenden Energie. Sie bezieht sich darauf, dass sich diese Kraft mit einer negativen Eigenschaft verbinden könnte. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, braucht es Mut, und diesen zu entwickeln ist eine wichtige Aufgabe.

Vor allem jedoch muss man wissen, dass diese freiwerdende Kraft nicht blind einer Richtung folgt. Wer darum weiß, kann ihr eine Orientierung geben. Es bedarf nur des inneren Willens, wohin sich diese Kraft wendet. Je besser man dies trainiert, desto größer wird die Freude daran. Früher oder später erkennt man das große Geschenk dieses Grades im Horoskop.

Achtsam müssen diese Menschen mit inneren Entschuldigungen sein wie „Ich bin halt so, wie ich bin“. Ertappt sich jemand dabei, muss er unterscheiden, ob es sich um einen Charakterzug des Anlagengefüges oder um eine Rechtfertigung für die Vermeidung von Bewegung handelt.

Selbst körperlich kann sich dies zeigen. Wer zurücklehnend und zurückhaltend geht, sollte sich erforschen. Geht es um Angst vor Energien, kann man beginnen, daran zu arbeiten, etwa durch bewusste schnelle Bewegungen im inneren Wissen, dass die Kraft der Freude zufließt.

Menschen mit 2° Skorpion messen das Erreichte an der durch die Handlungen freigewordenen Energie und oft nicht an dem, was wirklich dabei herausgekommen ist. Selbst sind sie dann der Ansicht, dass sehr viel geschehen ist, was objektiv betrachtet so nicht stimmt. Ein kurzer Spaziergang ist für Menschen mit 2° Skorpion ihrer Einschätzung nach ein Dauerlauf. Dies führt bei anderen Menschen immer wieder zu Irritationen.

Ist der Wille dieser Menschen nicht wirklich auf Fortschritt ausgerichtet, kann es sein, dass sie sich in einem Kreislauf kleiner, unbedeutender Handlungen verlieren. Alle diese kleinen Bewegungen werden als sehr umfangreich empfunden, da immer Energie frei wird. In diesen Fällen hilft ein ungeschminkter Vergleich mit den Handlungen anderer Menschen. Ist die Differenz im Ergebnis zu groß, sollte man achtsam sein und herausfinden, wo man sich dauernd verzettelt.

Oft zeigt sich diese Substanz in der Seele in einer großen Gelassenheit gegenüber emotionalen Ausbrüchen. Tief in sich wissen diese Menschen, dass Energie aus Bewegung entsteht, und erahnen in dieser Entladung eine Notwendigkeit.

Ebenso suchen manche Menschen mit dieser Gradzahl unbewusst die emotionale Bewegung. Wer immer wieder mit Menschen zusammenkommt, die sich emotional nicht meistern, trägt in sich einen Magnetismus, welcher sie ihre Nähe suchen lässt. Damit wird jedoch die eigene Unbeweglichkeit kompensiert. Diesen Kreislauf muss man erkennen, da er in den meisten Fällig nicht gewollt und eine automatische Folge der eigenen Unbeweglichkeit ist.

Auch die unbedingte Aufrechterhaltung des gewohnten Umfelds kann ein Zeichen der Vermeidung von Bewegung sein.

Manche dieser beschriebenen Wesenszüge entstehen im Einfluss der negativen Substanz. Meist ist es so, dass die positive und die negative Ausrichtung rasch wechseln. Oft geschieht eine Handlung im Sinne der positiven und die nächste unter der Einwirkung der negativen Substanz.

Durch die positive Substanz zeigt sich dieses Licht als verborgener Humor, der immer wieder aufblitzt. In Gesellschaft sind sie durch diese positive Energie und ihre angeborene innere Zurückhaltung daher sehr beliebt. Obwohl sie es nicht wollen, kann es immer wieder dazu kommen, dass sie einem schweigenden Mittelpunkt gleichen. Dieses freiwerdende Licht hat einerseits positive Auswirkungen auf den Inhalt der Gedanken und Gefühle, andererseits steigert es den Willen. Dinge zu vollbringen fällt ihnen nun viel leichter. Sie lieben auch deshalb die kraftvolle Bewegung, weil sie innerlich die Kraft und Macht spüren, die dadurch frei wird. Viele dieser Menschen sind schweigsame Genießer. Davon können alle Lebensbereiche betroffen sein. Im Beruf sind sie sehr beständig und zugleich immer um Fortschritt bemüht. Sind Handlungen notwendig, werden sie bewusst und kontrolliert ausgeführt. Ein Erfolg ist dann fast immer garantiert. In einer Partnerschaft können sie sehr leidenschaftlich sein. Hier trifft das Sprichwort, dass stille Wasser tief sind, im positiven Sinne zu. Sie lieben auch die gemeinsame Zeit in der Ruhe. Es ist für sie oft nicht nötig zu sprechen. Im Inneren findet ein leiser Austausch statt.

Wirkt jedoch in erster Linie die negative Substanz in der Seele, vermeidet dieser Mensch jegliche Bewegung in der Annahme, das Ziel sei erreicht. Hier wird ein vorläufiger Zustand als endgültiges Ziel angenommen. Es herrscht die Meinung, die Wahrheit sei gefunden und dürfe nicht mehr verändert werden. Die freiwerdende Energie verbindet sich sofort mit der Angst, dieses Ziel zu verlieren. Fremde Ansichten werden dann vehement abgelehnt und jegliche Auseinandersetzung damit vermieden.

Dieser Aspekt der negativen Substanz kann einzelne oder mehrere Lebensbereiche durchziehen. Selbstreflexion und Introspektion können diese Qualitäten jedoch gut aufdecken.

Das bewusste Verhindern von Bewegung zeigt sich auch insofern, als sich dieser Mensch einem Problem unbeweglich entgegenstellt, damit es sich wieder zurückzieht. Dieser Wesenszug gleicht einem Verharren in der Dunkelheit und ist eine Form der negativen Stagnation. Auch hier gilt: Erst die Auseinandersetzung mit der Problematik wird Licht in das Dunkel bringen.

Die Angst vor neuer Bewegung und damit Energie ist jedoch deshalb so groß, weil davon ausgegangen wird, dass jede neue Energie weitere Angst bringt. Ebenso fördert die negative Substanz die Angst vor schlechten Gedanken und Gefühlen. Das ist nicht richtig. Erst die Bewegung in der willentlichen Verbesserung bringt Licht! Man kann die Unbeweglichkeit als größtes Problem im Zusammenhang mit der negativen Substanz betrachten.

Manchmal kommt es zu einer schwierigen Verbindung zwischen Unbeweglichkeit und schnellen Handlungen. Sind diese durch die Lebensumstände nötig, werden sie sehr oberflächlich ausgeführt. Innerlich bleibt der Mensch starr und äußerlich werden die Handlungen so unbewusst wie möglich erledigt. Wiederum geht es um das Bemühen der Vermeidung von Energie.

Da jede leise Bewegung als große Veränderung wahrgenommen wird und die negative Substanz genau dies verhindern möchte, ist das beste Mittel, um dies zu verändern, genau das – Bewegung. Sie muss keinen tieferen Sinn haben, es geht vorläufig einzig darum, sich an bewegliche Handlungen zu gewöhnen, ohne Stress zu empfinden, auch wenn dies zu Beginn schwerfällt. Zugleich, und dies ist sehr wichtig, sollte man sich so gut es geht bemühen, die Freude der Bewegung in sich wachzurufen.

Ein gutes Bild ist ein Läufer in der Freude am Laufen, der Radfahrer in der Freude am Radfahren oder sogar der Rennfahrer. Wer es schafft, die Freude in der Bewegung in sich wachzurufen, hat schon halb gewonnen. Mit der Zeit wird man bemerken, dass all diese Handlung Energie freisetzen. Damit beginnt ein positiver Kreislauf. Der Mensch mit 2° Skorpion im Anlagengefüge oder an prominenter Stelle wird immer wacher und lebendiger und beginnt das Geschenk der Energiefreisetzung nicht nur zu schätzen, sondern sogar bewusst handzuhaben. Eine weitere Folge dieser Übung der freudigen Bewegung ist, dass sich der persönliche Wille immer besser durchsetzen kann. Dann erkennen diese Menschen ihren eigentlich sehr starken Willen, den sie mit Leichtigkeit einsetzen können.

Der zweite Schritt für eine positive Veränderung ist die tiefe Bewusstwerdung, dass es um die eigene Angst vor Bewegung geht. Wer weiß, dass diese Angst keine tiefere Ursache hat, sondern nur Mittel zum Zweck für die Handlungsunfähigkeit ist, wird sich wesentlich leichter tun, sie zu überwinden.

Schließlich wird sich dies einpendeln. Die innere Anlage der positiven Zurückhaltung wird bleiben. Bewegung wird jedoch niemals vermieden, sondern bewusst gepflegt. Dann verfügen diese Menschen über große innere Energiereserven. Sie gleichen einem Kraftwerk, welches Licht erzeugt.

Letztlich geht es darum, die negativen wie auch die positiven Eigenschaften als Prägung der Persönlichkeit zu erkennen, wie sie durch die innere Verbindung mit diesem Archon herrührt. Dann gilt es, in sich das Wachsein hervorzurufen und sich darüber zu stellen, damit das Licht nicht mehr diesem Archon, sondern einem selbst zufließt.