Ein wesentlicher Charakterzug der 6° Stier Geborenen lässt sich gut anhand eines Beispiels darstellen. Man kann sich dazu ein Plakat vorstellen, auf dem sich in unterschiedlicher Schriftgröße verschiedene Informationen finden. In einiger Entfernung steht ein 6° Stier Geborener und betrachtet das Plakat. Zunächst liest er die Zeilen, die gut sichtbar sind. Danach nähert er sich sukzessive immer dann mit einem weiteren Schritt, wenn er die jeweils kleinere Schrift nicht mehr lesen kann. In dieser Weise kommt er ganz nah an das Plakat heran und kann schließlich alles entziffern. Dieses Beispiel beschreibt den Zugang von 6° Stier Geborenen zu Informationen, die sie erhalten wollen. Sie betrachten das Vorhandene und wollen daraufhin Näheres wissen. Immer erfahren sie die Neuigkeiten in einer Form, in der sie Hand in Hand mit dem intellektuellen Verständnis ein grundsätzliches Gefühl innerer Befriedigung oder genauer: eines inneren Friedens verspüren, welches von einer leisen Freude begleitet wird. Erfahren sie diese innere Empfindung durch das Wachsen von Wissen oder Weisheiten, fühlen sie sich wohl und in einer gewissen Weise eingebettet in eine Sinnhaftigkeit ihres Denkens und des Fühlens.

Menschen mit dieser Gradzahl verfügen über eine angeborene Neugier. Dieser Wesenszug ist niemals aufdringlich oder plötzlich, sondern zeigt sich in einer stetigen und anhaltenden Weise. Wie von einem Magneten werden sie von Inhalten angezogen, die sie tief im Inneren berühren. Erhalten sie die angestrebten Informationen, ziehen sie sich nicht zurück, sondern streben weiter danach, mehr zu erfahren.

6° Stier kann man mit gutem Gewissen als einen Grad des positiven Forschens bezüglich der qualitativen Inhalte alles Gegebenen betrachten. Immer steht die Frage nach der qualitativen Bedeutung der Dinge im Raum.

Gleichzeitig haben 6° Stier Geborene einen Hang zum abstrakten Denken. Dinge in Form von Zahlen, Formen und Buchstaben auszudrücken, fällt ihnen nicht nur leicht, viele lieben diese Tätigkeit. Beschäftigt sich jemand mit Mathematik, kann es sein, dass er einen tieferen Zugang zur Mystik der Zahlen in sich verspürt.

Alle Menschen mit dieser Betonung im Horoskop tragen eine große Hingabe zum Wissen und zur Weisheit als innere Eigenschaft in sich. Erfüllt sich diese Eigenheit, können sie sich persönlich stark zurücknehmen und dem dargebrachten Inhalt lauschen. Grundsätzlich kann dies alle Wissensgebiete betreffen; dies hängt jeweils davon ab, welche anderen Grade zusätzlich betont sind. Entsprechend haben sie einen tiefen Respekt vor Menschen mit großem Wissen und betrachten sie nicht selten als persönliche Vorbilder.

Im Einfluss der positiven Substanz durchdringt Menschen mit dieser Gradzahl eine tiefe Hingabe an einen Fortschritt durch Wissen. Es ist für sie so, dass jeglicher intellektuelle Zugewinn ihren ganzen Charakter durchdringt. Sie empfinden sich dann nicht nur als intelligenter, sondern auch als vollständiger. Dieser Drang nach positiver Ganzheit ist eine wesentliche Motivation, sich weiter zu bilden. Beruflich sind sie dann überaus erfolgreich, wenn sie eine Tätigkeit ausüben, die sie wirklich lieben. Gleichzeitig ist es von Vorteil, wenn diese Arbeit mit einer intellektuellen Herausforderung verbunden ist. Lieben sie ihre Tätigkeit, werden sie nahezu davon angezogen und immer genialer darin. Im Rahmen einer Beziehung ist es für sie wichtig, Gemeinsamkeiten zu teilen. Dies kann sich auch auf scheinbar unbedeutende Kleinigkeiten beschränken, die dennoch ein Symbol der liebenden Verbindung sein können. Meistern sie die Erwartungshaltung und teilen womöglich mehrere Interessen, kann eine wunderbare Beziehung entstehen. Ihre Liebe zum Fortschritt berührt auch den Partner und gemeinsam wecken sie auf diese Weise in sich selbst die Liebe.

Schwierig ist es wiederum, diese positiven Eigenschaften als Bindung zu diesem 36. Archon zu erkennen. Es ist in der introspektiven Arbeit immer wieder notwendig, sich im Wachsein darüber zu stellen.

Ein weiterer Charakterzug ist eine gewisse Erwartungshaltung gegenüber Handlungen jedweder Art von anderen Menschen. Hier gilt es vor allem darauf zu achten, dass die Erwartung nicht von den eigenen inneren Vorstellungen ausgerichtet wird, sondern dem Gegenüber Freiheit lässt. Sonst beginnt ein Aspekt der negativen Substanz zu wirken.

Eine Besonderheit dieser Gradzahl betrifft das Selbstbewusstsein dieser Menschen in ihren unbewussten Handlungen. Sie sind nämlich aufgrund ihrer selbstverständlichen Annahme der Richtigkeit ihres Handelns, Denkens und Fühlens in einer gewissen Weise sehr selbstsicher, wenngleich sie sich dessen nicht bewusst sind. Gleichwohl strahlen sie es aus und suggerieren es anderen Menschen.

Die Folge kann sein, dass diese unbewusste Selbstsicherheit durch die tiefere Beschäftigung mit der eigenen und allgemeinen Wahrheit darunter leidet. Hier gilt es zu wissen, dass es Prozesse der Selbsterkenntnis sind, welche die Bewusstheit im eigenen Sein als Ziel notwendig in sich bergen.

Jenseits der inhaltlichen Erwartung durchdringt sie eine magnetisch anziehende Kraft, welche das Gegenüber gleichsam unsichtbar drängt, zu handeln. Diese Kraft wirkt meist unbewusst und gleicht einem Magneten. Wie eine unsichtbare, im Raum schwebende Wolke ist die Aufforderung zum Handeln als Energie präsent. Ist sich ein 6° Stier Geborener dieser inneren Kraft nicht bewusst, kann dies zu Widerständen führen, die darauf zurückzuführen sind, dass manche Menschen diese Anziehung spüren und sich ihr reflexartig entgegenstellen.

Durch die Unbewusstheit wirkt sehr häufig auch die negative Substanz. Diese besonders gut zu erkennen, ist eine Aufgabe aller 6° Stier Geborenen. Die Problematik liegt in der inneren Selbstverständlichkeit der Erwartungshaltung. Diese ist für sie ein völlig normaler Zustand und es bedarf nur eines kurzen Gedankens, um die Macht der Erwartung weiter zu steigern. Die Macht der 6° Stier Geborenen muss durch sie selbst gut erkannt werden.

Grundsätzlich geht es darum, dass jeder Mensch – und so auch 6° Stier Geborene – durch sein Anlagengefüge und seine soziale Vergangenheit in seinem persönlichen Charakter und Weltbild geprägt wurde. 6° Stier Geborene neigen im Einfluss der negativen Substanz jedoch dazu, in diesen subjektiven Prägungen allgemeingültige Vorstellungen zu sehen.

Werden sie nun von außen mit einem anderen Inhalt konfrontiert, wird ihr inneres System erschüttert, einem Menschen ähnlich, der plötzlich mit einer ihm vollkommen fremden Materie in Kontakt gerät. Je nach persönlicher Anlage können sie sich von dieser Bestürzung lösen und den neuen Inhalt integrieren.

Das Erkennen einer inneren Bewegungslosigkeit enthüllt den Einfluss der negativen Substanz. Meist hilft schon eine bewusste Öffnung gegenüber neuen Inhalten und Ideen. Auch die Bewusstwerdung, dass das eigene Wissen wachsen soll und äußere Einflüsse kontrolliert werden können, ist von Hilfe.

Vor allem geht es jedoch darum, dass sich ein 6° Stier Geborener dessen bewusst wird, dass er über Unterscheidungskraft verfügt. Dann kann er Inhalte immer noch ablehnen, wenn sie nicht seinen eigenen höheren Vorstellungen entsprechen. In der Erschütterung vergisst er jedoch häufig die ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Unterscheidung und Entscheidung.

Je stärker die negative Substanz wirkt, desto enger werden der innere und äußere Raum der Bewegung. Dies führt dazu, dass sie sich einen eigenen Lebensraum mit klaren Grenzen kreieren, beispielsweise mit Blick auf die Ernährung, den Wohnraum, die Musik, die Literatur, den Umgang mit anderen Menschen und so fort. Statt einer inneren beweglichen Haltung, die den Bewusstseinsraum erweitert, wird die Enge als Selbstverständlichkeit angenommen. Die Aufgabe liegt wiederum darin, dass sich 6° Stier Geborene dieser Enge bewusst werden müssen.

Erkennt man sich in dieser Enge, ist es wichtig, sich gegenüber anderen Menschen und Kulturen zu öffnen. Es genügt nicht, einfach zu sagen, jeder solle tun, was und wie er es wolle, und für sich selbst das gleiche in Anspruch zu nehmen. Es muss zu einer inneren Öffnung kommen. Jeder Mensch ist anders. Daher geht es vor allem darum, die Selbstverständlichkeit in der inneren Annahme aufzudecken. Diese hat ihren Grund zumeist in der Unbewusstheit. Sich allein immer wieder dessen bewusst zu werden, dass andere Menschen wirklich anders denken, fühlen und wollen, kann schon eine große Hilfe sein.

Reisen sind immer hilfreich, um den Horizont zu erweitern. Menschen aus anderen Kulturen zu treffen und sich auszutauschen, erweitert den inneren Horizont. Überhaupt ist die Beschäftigung mit Kultur und Kunst überaus hilfreich, um den Einfluss der positiven Substanz in sich zu verstärken.

Ein weiterer Charakterzug der negativen Substanz ist eine große Ungeduld gegenüber neuem Wissen, welches alte Annahmen erschüttert. Die innere Ganzheit eines 6° Stier Geborenen, welche er im Verharren von schon gegebenen Bewusstseinsinhalten empfindet, ist im Grunde oberflächlich. Diese Oberflächlichkeit wird jedoch ignoriert. Die Ablehnung neuer Ideen und neuen Wissens wird durch diese Ungeduld motiviert.

Dieser Wesenszug ist leicht zu entlarven. Wer sich dabei ertappt, einem Menschen gegenüber ungeduldig zu werden, wenn dieser von neuen und anderen Ideen und Informationen erzählt, steht im Einfluss der negativen Substanz. Es genügt dann, sich immer wieder des Grundes der eigenen Ungeduld bewusst zu werden. Hilfreich ist auch, die innere Oberflächlichkeit zu entlarven. Wer sich immer wieder suggeriert, er sei zufrieden und führe ein glückliches Leben, obwohl er im Hintergrund eine schwelende Unsicherheit verspürt, die innere Einsichten unbedingt zu verdecken versucht, sollte sich bewusst neuen Inhalten zuwenden.

Wirkt die negative Substanz sehr stark, kann es zu despotischen Wesenszügen kommen. Nichts, was außerhalb der egoistischen Wirklichkeit existiert, wird angenommen. Im Inneren wird eine Mauer errichtet, die nur das durchlässt, was dem eigenen niederen Ego entspricht. Entsprechend können sie sehr ablehnend gegenüber anderen Menschen sein. Meist zeigt sich dies als bewusstes Ignorieren mit einer negativen inneren Haltung. Die innere Mauer übt eine massive Wirkung aus und ist für diejenigen, die abgelehnt werden, kaum zu überwinden.

Eine Veränderung ist nur dann möglich, wenn sich diese Menschen ihrer eigenen negativen Haltung bewusst werden. Das würde bedeuten, die eigene Enge zu überwinden. Das Problem besteht jedoch in der Absolutheit der eigenen Selbstwahrnehmung in Bezug auf die persönliche Wahrheit.

Wer dies bei sich erkennt, sollte sich Hilfe suchen. Es braucht dann einen neutralen Menschen, der die Gegebenheiten analysieren und entsprechend unterscheiden kann. Die Konfrontation mit Neutralität wird eine Hilfe sein, die unversöhnliche innere Mauer niederzureißen.

Viele 6° Stier Geborene neigen durch die negative Substanz dazu, sich immer wieder zu verteidigen, als wollten sie einen inneren Bereich schützen, der von außen angegriffen wird. Je massiver der vermeintliche Angriff, desto stärker und ungeduldiger die Verteidigung. Den Grund für diesen Wesenszug findet man erneut in der oben erwähnten inneren Enge.

Manchmal geschieht es auch, dass 6° Stier Geborene, die von der negativen Substanz durchdrungen sind, schon im Voraus eine Art Gegenangriff starten. Es könnte ja sein, dass die inneren Vorstellungen angegriffen werden – und daher werden vorsichtshalber schon mal die Geschütze geladen.

Der beste Weg, diesem Einfluss zu entkommen, besteht in der inneren Bewusstwerdung, dass die meisten Menschen einen gar nicht angreifen wollen. Sie sind vielleicht nur leidenschaftlich und präsentieren ihre Vorstellungen entsprechend. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie zum Angriff übergehen. Es hilft dann, eine positive Neugier in sich zu wecken. Gelingt dies, empfindet man die äußeren Einflüsse als nicht mehr so vehement.

Manchmal kann es sogar dazu kommen, dass sich diese Menschen völlig zurückziehen, da sie nicht mehr mit ihnen unbekannten Inhalten konfrontiert werden wollen. Dann leben sie in einer selbst erschaffenen Traumwelt.

Dieser Rückzug entspricht jedoch nicht den göttlichen Gesetzen. Immer wieder wird diese scheinbar heile Welt durch äußere Begebenheiten oder gar Schicksalsschläge erschüttert werden. Wenn die Reaktion auf die Erschütterung weiterer Rückzug ist, kommt es schließlich zur Auflösung der inneren Vorstellung.