Die Esoterik der heutigen Zeit

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Fragen an Michael

Die Esoterik der heutigen Zeit

Wie stehst Du der Esoterik der heutigen Zeit gegenüber? 

Grundsätzlich positiv. Es ist besser sich mit seelischen und geistigen Dingen zu befassen, wie sie zu ignorieren. Insofern finde ich es gut, wenn sich Menschen mit der Esoterik auseinander setzen. Gleichzeitig muss man der heutigen Welt der Esoterik sehr achtsam begegnen. Es ist eine Katastrophe, was als höheres Wissen oder Weisheit verkauft wird. Im Grunde genommen wird das Wort Esoterik, was ja inneres Wissen bedeutet, fälschlich verwendet.

Kannst Du mir dazu ein Beispiel geben?

Vor einiger Zeit bekam ich einen Brief eines Menschen, dessen körperliche Gesundheit durch geistige Übungen, er dachte in Verbindung mit der Kundalini, sehr beeinträchtig war. Ein esoterischer Lehrer hat diese Übungen gelehrt. Das Problem ist wie sehr oft, dass sich niemand ausgekannt hat, was ihm wirklich widerfahren ist. Derjenige hat Erfahrungen des sogenannten elektromagnetischen Fluid gemacht und sie als Kundalinierfahrungen interpretiert. Er hatte keine Ahnung, wie ihm geschieht, ebensowenig wie sein esoterischer Lehrer. Es gilt wirklich die Wahrheit, die schon Jesus gesagt hat: “Wenn ein Blinder einen Blinden führt, werden beide in eine Grube fallen.” Von einer anderen Art esoterischer Seminare habe ich vor einiger Zeit gehört. Die Leute gehen bei lautester Musik durch den Raum und irgendwann, auf Zeichen des Seminarleiters, fangen alle gleichzeitig zu schreien an. Diese Art der emotionalen Enthemmung ist eine Form von Zelebrieren der Dunkelheit. Das hat überhaupt nichts mit Spiritualität zu tun. 

Es gibt viele Heilseminare. Wie stehst Du dazu?

Geschehen wirklich Heilungen, dann ist es gut. Das geschieht jedoch sehr selten. Meistens wird der Mensch durch das Seminar derart mächtig berührt, dass er für einige Zeit gewisse Erleichterungen spürt. Später dann, nach vielleicht einer Woche, kommen die alten Symptome wieder. Die Folge ist oft, dass ein nächstes Seminar besucht wird. Hier muss ich ganz klar sagen, dass ein wahrer Heiler die Probleme und die Lösungen sehr klar sieht und erklären kann. Es ist eine geniale Fähigkeit, die in den allermeisten Fällen angeboren ist. 

Du hast einmal erwähnt, dass sich viele Heiler selbst schaden?

Das stimmt. Wer nämlich versucht, dem Patienten Lebenskraft durch Handauflegen oder durch die eigenen Gedanken und Gefühle zu geben, praktiziert dies auf Kosten der eigenen Gesundheit. Die Auswirkungen kommen oft erst nach Jahren an die Oberfläche. Es bedarf der jahrelangen konzentrierten Arbeit mit dem Geist, es geht vor allem um die Schulung der Konzentrationskraft, um fähig zu sein, geistig zu heilen. 

Ist nicht die Seele die Ursache körperlicher Probleme?

Letztendlich kann man alles körperliche Geschehen auf die Seele und den Geist zurückführen. Hier sprechen wir unter anderem von den Gesetzen des Karmas. Es ist jedoch eine Unart, während der Heilseminare seelische Probleme zu besprechen. Damit wühlt man in der Dunkelheit. Ein wahrer Heiler geht hin und heilt. Das ist die Aufgabe. Wühlt man lange genug in der Seele, dann kommen alle mögliche dunklen Dinge zum Vorschein. 

Viele Heiler sind auch sehr spirituell. Wie hängt Spiritualität mit Heilungsarbeit zusammen?

Meistens über die Glaubenskraft. Viele Heiler verknüpfen ihre Heilungsarbeit mit einer religiösen Philosophie. Es gibt Heiler aller Religionen und dementsprechend verbinden die Heiler ihre Glaubenskraft mit den jeweiligen geistigen Wesenheiten.

Zu einer andere Art der esoterischen Beschäftigung. Viele Menschen gehen heute auf sogenannte tantrische Seminare. Was ist Tantra?

Tantra ist eine Form der östlichen Kabbalah. Die Verknüpfung von Tantra und Sex ruht auf einem völlig falschen Verständnis. Es gibt zwischen der Kundalini und der Sexualkraft eine gewisse Analogie. Jedoch zu denken, dass man mit diesen Praktiken, wie sie in vielen Seminaren gelehrt werden, spirituelle Fortschritte macht, ist ein großer Irrtum. Auch die Kundalini betreffend gibt es viel Unwissenheit.

Was ist die Kundalini?

Die Kundalini ist diese Kraft, die sich dann zeigt, wenn man die vier Elemente gleichzeitig in sich aktiv wahrnimmt. Es ist das Licht des vierpoligen Magneten oder des Tetragrammaton. Es gibt Methoden, die Kundalini zu wecken. Dies geschieht rein über den Geist und nicht über körperliche Methoden. Die Kundalini ist eine Urkraft des Geistes. Die Kundalini kann man deshalb auch als Imaginationskraft erklären. Wer sogenanntes Kundalini-Yoga betreibt und dieses Wissen um die Vierpoligkeit nicht besitzt, wird jahrelange Übungen machen, ohne wirkliche Fortschritte zu erleben. Die Mysterien der Kundalini sind auf dem Weg der zweiten Geburt sehr wichtig. Es ist jedoch wesentlich zu wissen, was und wie man dies praktiziert. Ich habe schon Teilnehmer in meinen Seminaren erlebt, die über lange Zeit Kundalini-Yoga betrieben haben und völlig schockiert waren, dass es klar definierbare und erklärbare Methoden gibt, mit der Kundlaini zu arbeiten.

Hast Du ähnliche Reaktionen in Bezug auf andere Themen erlebt?

Ja, immer wieder. Ein Beispiel war jemand, der in der sogenannten Familienaufstellung arbeitet. Diese Einbindung in die Familienstruktur, wie sie dort geschieht, dient nicht der Befreiung, sondern verhindert sie. Es gehört zu den schwierigsten Aufgaben, die Kraft der Bindung an die Familie zu erkennen und sich davon zu lösen. Das bedeutet nicht, dass man sich von der Familie trennt. Es bedeutet, um die körperliche Bindung, die durch die DNA gegeben ist, zu wissen und die Mechanismen, welche eine Befreiung verhindern, zu kennen. Wer sich einer Struktur der Familie unterordnet, stellt sich unter den sogenannten Familiengeist, dessen Interesse es ist, die Persönlichkeit des Menschen und seinen Charakter in der gleichen Weise zu verwirklichen, wie es die Eltern und Großeltern verwirklicht haben. Der Familiengeist lebt davon, dass sich die Menschen in ihren Grundzügen der vererbten Persönlichkeit nicht ändern.

Das widerspricht aber der Arbeit von tausenden Therapeuten?

Ich weiß, das ändert jedoch nichts daran, dass es eine wesentliche Aufgabe ist, die dem Familiengeist zugrunde liegende Energie zu erkennen und sich davon zu lösen. In meinem Buch über die Häuser der Astrologie beschreibt das 4. Haus diese Bindung. Das eigentliche Problem ist die in der heutigen Esoterik herrschende Unwissenheit.

Bezieht sich diese Unwissenheit auch auf die Beschäftigung so vieler Menschen mit dem Bewusstsein?

Ja, vor allem damit. Es gibt heute mehrere esoterische Strömungen, die sich darüber definieren, dass das Bewusstsein an und für sich göttlich ist. Es bedarf keiner zusätzlichen Beschäftigung. Es gibt viele Ideen dazu. Zurück geht diese esoterische Beschäftigung auf die religiöse Richtung des Hinduismus des Advaita Vedanta.

Ich weiß, dass Du diese Strömung sehr kritisch betrachtest. Warum?

Eine Definition des Bewusstseins, welches sich selbst genügt, ist rein männlich und in Bezug auf diese männliche Polarität zusätzlich unvollständig. Eine Auswirkung ist, dass sich die Menschen nicht wirklich verändern. Manch einer erkennt erst nach Jahren, dass er in einer Form Blase gelebt hat. Dann bricht das Konstrukt zusammen und derjenige fällt zurück auf ein Bewusstsein, welches er am Beginn hatte. Bewusstsein definiert sich ebenso weiblich. Wer dies vergisst, was bedeutet, dass derjenige den Inhalt nicht definiert, agiert oberflächlich. Es gibt eine indische Legende darüber: Eines Tage erschien einem Heiligen des Advaita Vedanta die göttliche Mutter. Ihre Frage an ihn war: “Warum verleugnest Du mich?” Damit ist die Verleugnung des weiblichen Prinzips angesprochen. Im Menschen ist das weibliche Prinzip anlog der Seele, das männliche Prinzip analog dem Geist. Wer das göttliche Licht in der Seele nicht findet, bleibt an der Oberfläche. Das Problem ist, dass die Anhänger gar nicht wissen, dass sie das weibliche Prinzip in einem fort verleugnen. Wahrhaftige Befreiung ist nur über die innere Vereinigung der Seele mit dem Geist möglich. Ebenso ist die Idee der Einheit aller Menschen ein völlig falsches Konstrukt. Es gäbe hier sehr viel zu berichtigen. Das große Thema ist auch hier die Unwissenheit.

Warum gibt es diese Unwissenheit?

Ein Problem besteht darin, dass sich viele esoterisch interessierte Menschen völlig überschätzen. Die esoterischen Buchhandlungen sind voll von Büchern die davon erzählen, wie jemand eine spirituelle Erfahrung erlebt hat. Auch gibt es  Menschen, die nach dem Besuch von einem oder zwei Seminaren plötzlich selbst beginnen, Seminare zu geben. Es herrscht die Meinung, dass alles sein kann und man keinen Fehler machen kann. Diese Einschätzung ist grundsätzlich falsch. Man kann sehr viele Fehler machen. Ein Eingeständnis der eigenen Unwissenheit ist für die meisten esoterischen Lehrer ein Ding der Unmöglichkeit.

Warum versuchen esoterisch interessierte Menschen nicht, höheres Wissen zu erfahren?

Das ist nicht so einfach. Es gibt keine Literatur, welche die Mysterien des Lichts wirkliche beschreibt. Selbst in der hermetischen Literatur findet man kein wahres Wissen über die zweite Geburt. Die wenige Wahrheiten, die man finden kann, sind derart von Halb- und Teilwahrheiten durchdrungen, dass es für jemanden ohne Zugang zu den Mysterien nicht möglich ist, die Dinge zu unterscheiden. Dieses Halbwissen ist ein Zeichen unserer Zeit. Das magische und kabbalistische Wissen und die Praxis der Meister und Propheten kommt von den Archonten und führt nicht in die göttliche Geburt. Es ist etwas völlig anderes, den persönlichen Gott aufzubauen, wie es die Hermetiker lehren. Wer jedoch ernsthaft sucht und sich mit Meditationen und Übungen beschäftigt, wird Fortschritte machen. 

Was kannst Du einem wirklich Suchenden empfehlen?

In Verbindung mit einer esoterischen Strömung, einer Religion oder einer Philosophie eine wahre Heimat zu finden, ist nicht möglich. Diese innerste Heimat findet man nur in der eigenen inneren Göttlichkeit. Die grobstoffliche Erde ist eine Schule und nicht der Ort der Erfüllung. Das wird sie niemals sein. Es kann sein, dass man für kurze Zeit so etwas wie einen inneren Frieden findet, wenn man ein spirituelles Ritual einer Religion beiwohnt. Hat man Glück, dann erfährt man kurze Zeit danach wieder eine “heilige Unruhe”. Dann verlässt man die Oase, geht gleich Johannes dem Täufer weiter durch die Wüste und sucht die nächste, höhere Heimat. Wer nicht aufhört zu suchen, wird irgendwann den Weg und die Erfüllung des Weges in die eigene Göttlichkeit finden.